Between Glass and Magnetic Fields

[German Translation | Deutsche Übersetzung]

Die Ausstellung vereint künstlerische Glasgestaltung und medizinische Bildgebung in einem gemeinsamen wissenschaftlichen Erkundungsraum. Im Kern geht es um die Transformation der Magnetresonanz (MR), eines Werkzeugs der medizinischen Bildgebung, in ein Medium Glaskünstlerischer Auseinandersetzung. Durch Glasobjekte und Videos ihrer MRT-Scans wandelt die Ausstellung die inneren Logiken magnetischer Resonanzsequenzen in physische, visuelle und akustische Erfahrungen um. Was normalerweise im Magnetfeld verborgen bleibt, enthüllt sich in der Sprache Glashandwerklicher Präzision und Licht – und übersetzt Magnetresonanz in einen Raum ästhetischer Reflexion und materieller Gestalt.

Die im Rahmen der Residenz „STEAM Imaging VI“ entwickelte Arbeit von Gregory Alliss, ausgerichtet vom Fraunhofer-Institut für Digitale Medizin MEVIS und dem Institute for Design Informatics, untersucht speziell gefertigte Glasobjekte als Testkörper für die Magnetresonanztomographie (MRT). Transparenz, Lichtbrechung und Fehler im Glas spiegeln den vielschichtigen, rekonstruktiven Charakter der MRT wider. Diese Eigenschaften verdeutlichen, wie die MRT physische Materie in auswertbare Daten umwandelt. Variationen von Eintrübung, Kontamination oder optischer Strukturierung werden zu Analogien für Rauschen, Signal und Auflösung und verbinden so materielle mit computergestützter Ästhetik.

Die ausgestellten Glasobjekte zeigen eine konzeptionelle Entwicklung der grundlegenden MRT-Konzepte, von der Physik und Mathematik über Sequenzentwicklung bis hin zu Bildaufnahme und Bilddarstellung.

Zusammen laden sie die Besucher:innen zu einer Reise durch Transparenz und Verwandlung ein, auf der die Physik magnetischer Resonanz mit der Alchemie des Glases verschmilzt.

STEAM Imaging VI, veranstaltet vom Fraunhofer MEVIS in Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Institute for Design Informatics der University of Edinburgh, Großbritannien, bietet eine einzigartige Gelegenheit, das Anwendungspotenzial kreativer multi- und transdisziplinärer Ansätze in der digitalen Medizin zu erkunden. An der Zusammenarbeit beteiligt sind die Internationale Fraunhofer Talent School Bremen und die Oberschule am Waller Ring in Bremen, unterstützt von Ars Electronica, Österreich.


Resonance

Ofengussglas, Beleuchtung und Software ca. 2026

Gregory Alliss.

„Resonance“ ist ein beleuchtetes Glasobjekt, das mit der gammaSTAR-Software von Fraunhofer MEVIS verbunden ist. Die Skulptur ist eine Variante eines Objekts, das entwickelt wurde, um die Simulation von MRT-Sequenzen mit gammaSTAR zu verbessern und sie in physischer, visueller und auditiver Hinsicht erfahrbar zu machen. Gemeinsam ermöglichen Glasobjekt und Software eine leicht zugängliche Erkundung, Entmystifizierung und direkte Erfahrung der Entwicklung von MRT-Sequenzen.

Dieses Schlüsselwerk verbindet wissenschaftliches Interesse mit künstlerischer Vorstellungskraft und dient als aus Glas gefertigtes, vertontes und beleuchtetes Einstiegstor.

Das Glasobjekt ist aus einem blau-violett-grauen Gusskristall gefertigt, das speziell aufgrund seiner Viskosität und Transparenz ausgewählt wurde.


Interference

Ofengussglas und Stahl ca.2019

Gregory Alliss.

„Interference“ ist eine markante Skulptur aus ofengegossenem Glas und Stahl, die aus recyceltem Kathodenstrahlröhrenglas ausgedienter Fernseher gefertigt wurde. Sie weist sowohl eine flache Oberfläche als auch eine präzise konturierte Wellenform auf der gegenüberliegenden Seite auf. Diese Wellenform verkörpert die Fourier-Transformation im sog. k-Raum-Bezugsystem der MRT (ein mathematischer Raum, in dem Rohdaten der MRT verortet werden, bevor das Bild rekonstruiert wird), der mathematischen Grundlage für die Rekonstruktion von Magnetresonanzbildern. Darüber hinaus schlägt diese Wellenform, die an Interferenzmuster auf alten Fernsehbildschirmen erinnert, visuell eine Brücke zwischen analogen Übertragungsstörungen und den unsichtbaren digitalen Prozessen der medizinischen Bildgebung. Die „verunreinigten“ Glasbrocken im Inneren erinnern an Voxel oder volumetrische Pixel und spielen auf die durch MRT-Scans erfasste Querschnittsanatomie an. „Interference“ verwandelt technologischen Abfall in eine greifbare Metapher für die Physik des Scannens und für die Demokratisierung komplexer Bildgebungstechnologien durch transdisziplinäre Glaskunst.


Lenses

Ofengussglas und Stahl ca. 2026

Gregory Alliss.

„Lenses 2026“ ist eine Neuinterpretation eines bestehenden Werks, das aus recycelten Kathodenstrahlröhren aus ausgedienten Fernsehgeräten hergestellt wurde. Durch den Einsatz wissenschaftlicher Methoden und materialtechnischer Fachkenntnisse wurde dieses Glas so bearbeitet, dass skulpturale Formen entstanden sind, die komplexe, wolkenartige Muster offenbaren, welche an geschmolzene Ströme, lichtdurchlässige Informationen und die Querschnittsanatomie in der Magnetresonanzbildgebung erinnern. Fasziniert davon, wie medizinische Bildgebungsverfahren – von Röntgen bis zur MRT – das Innere des Körpers darstellen, fertigt Alliss Glasfragmente an, die Voxeln ähneln, den Bausteinen der volumetrischen Bildgebung.

Ein daneben aufgestellter Tablet-Computer fordert die Betrachter mit der Frage „Was sehen Sie?“ dazu auf, sich mit den radiografischen Eigenschaften des Objekts auseinanderzusetzen.


Precession

Heißgussglas und Aluminium ca. 2026

Gregory Alliss, Frederik Rombach.

„Precession“ ist das zentrale physikalische Konzept der MRT und bezeichnet die winzige Spinbewegung von Wasserstoffatomkernen, wenn diese einem Magnetfeld ausgesetzt sind. Dies ist der der MRT-Technologie zugrunde liegende Prozess. Das Objekt verwandelt diese unsichtbare Physik der magnetischen Resonanz in eine skulpturale Form. Eine Reihe beleuchteter Glasampullen stellt die im Körper präzedierenden Wasserstoffatome dar. Die leuchtenden Elemente pulsieren in einem filigranen Aluminiumrahmen und übersetzen die magnetische und mathematische Präzision der MRT in eine meditative Sprache aus Licht und Bewegung.

„Precession“ setzt die Untersuchung der Eigenschaften und der Wahrnehmung skulpturaler Objekte fort, die aus recycelten Kathodenstrahlröhren ausgedienter Fernseher hergestellt wurden, und lädt die Betrachter dazu ein, den Lebenszyklus von Materialien sowie das Potenzial für Schönheit im Weggeworfenen neu zu überdenken.


Negatives

Mixed-Media-Installation (Serie von Videoprojektionen und zusammengesetzten Glaselementen) ca. 2026

Gregory Alliss.

Diese Serie dokumentiert eine künstlerische und wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Gregory Alliss, Schüler:innen und Fachleuten für medizinische Bildgebung. Sie entstand aus Alliss’ Erkundungen und führt auf eine Reise durch die verborgenen Innenräume von Glasobjekten mittels MRT-Scans. Erste, fehlgeschlagene MRT-Scanversuche führten zu einer konzeptuellen Verschiebung hin zur Darstellung von Hohlräumen und Abwesenheiten – des „Negativraums“ – als definierendes Element der gescannten Objekte.

Die hier gezeigten Glasobjekte bilden eine Serie von „Negativraum“-Phantomen – spezialisierten, gewebeähnlichen Testobjekten, die zur Überprüfung von MRT-Geräten verwendet werden –, gefertigt aus unterschiedlichen Glasarten und -formen. Jedes Phantom fungiert zugleich als Artefakt und als Prozessdokument der Sequenzen, die im Dialog mit den MRT-Wissenschaftler:innen des Fraunhofer MEVIS unter Verwendung der Softwareplattform gammaSTAR entwickelt wurden.

Die gescannten Daten werden als Videoprojektionen präsentiert und verwandeln die technische Darstellung in eine visuelle Erzählung.